Schule mit Zukunft - Chancen und Herausforderungen der Volksschule

Am CSPO-Frauentreffen in Törbel habe ich einen Input gehalten zu den Chancen und Herausforderungen der Volksschule, wie ich sie wahrnehme. Wenn ihr mögt könnt ihr den Inhalt unten nachlesen. 

 

Es geht um Wertewandel, Leistungsorientierung und meine Ansicht, was es seitens Politik braucht, um die Schule zu stärken und gut in die Zukunft zu bringen. 

Was hat der Wertewandel mit der Schule zu tun?

Die Erziehungsziele und -werte der Eltern haben sich verändert. Was Eltern heute wichtig ist: Das Selbstvertrauen und die Widerstandskraft ihrer Kinder zu stärken, Wissensdurst, Gefühle zeigen. Auch die klassischen Tugenden wie Pünktlichkeit, Ordnung und Fleiss sind den Eltern heute noch wichtig, jedoch etwas weniger als noch vor einer Generation. Ein Wert, der hingegen stark an Zuspruch verloren hat ist: "sich in eine Ordnung einfügen, sich anpassen". Ich finde dies begrüssenswert. Denn wir wollen unsere Kinder ja zu kritischen Menschen erziehen, zu Erwachsenen, Selbstverantwortung übernehmen und sich nicht alles gefallen lassen. Ein Blick in die Geschichte der Menschheit und ins aktuelle politische Weltgeschehen zeigt, wie wichtig das ist.   

 

Was hat das mit der Schule zu tun? Genauer gesagt mit der Volksschule? Diese ist darauf angewiesen, dass sich die Schulkinder in eine Ordnung einfügen können. (Grosse Klassen, alle 45 Minuten ein neues Fach, alle Kinder sollen zur gleichen Zeit das Gleiche lernen, um es etwas plakativ zu sagen.) Dieser Wert, das sich Anpassen, ist in der Schule nach wie vor sehr wichtig. In der Familie weniger. In dieser Diskrepanz orte ich die Schwierigkeiten zwischen Eltern und Schule, die ich im Moment vermehrt wahrnehme. 

Gutes Zeugnis für die Walliser Schule - Zwei Wege führen nach Pisa

Der erste nationale Schulvergleich zeigt: die Walliser Schule ist top. Die Walliser Schülerinnen und Schüler bewiesen sowohl bei Mathematik wie bei den Sprachen überdurchschnittliche Kompetenzen. Diese Resultate sind sehr erfreulich. Darauf ausruhen sollten wir uns aber nicht. Im Berufsleben geht es nicht nur um die Leistung in Mathematik, Deutsch und der ersten Fremdsprache. Und seit der PISA-Studie wissen wir, dass Länder mit sehr unterschiedlichen Schulmodellen zu den Spitzenreitern gehören. Die Frage, die sich mir stellt, lautet: Welches Schulmodell wollen wir? 

Hier zwei Schulmodelle mit guten Ergebnissen in den PISA-Tests:

  • In asiatischen Ländern, die bei der PISA-Studie sehr gute Resultate erreichten, wird Leistungsdruck grossgeschrieben. In Ländern wie Südkorea wissen die Schülerinnen und Schüler: Gute Noten sind meine einzige Chance! Ich muss alles dafür tun, auch wenn ich dazu an meine Grenzen gehe - oder darüber hinaus.
  • Finnland und Schweden, die ebenfalls zu den Spitzenreitern gehören, stellen die Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler in den Mittelpunkt. Sie sind der Überzeugung: wenn wir die Kinder bei ihren Interessen und Stärken abholen, ihre Neugier nutzen, sie begleiten, ihnen persönliche Rückmeldungen geben und auf eine kooperative Gemeinschaft anstatt auf Wettbewerb setzen, lernen die Kinder am meisten und bewahren sich ihren inneren Antrieb.

Wir sind irgendwo dazwischen, wobei sich die Walliser Schule selbst als klar leistungsorientiert bezeichnet. Zumindest kommt dieser Anspruch von der Dienststelle für Unterrichtswesen und ist auch ein Grund, weshalb wir schon in der 4H Noten und Jahresprüfungen haben. 

 

Für mich ist klar: Mich spricht das skandinavische Modell mehr an, gleichzeitig habe ich nichts gegen gesunden Wettbewerb und Leistungsorientierung. Irgendwo zwischen diesen Schulmodellen zu sein, ein eigenes Modell zu entwickeln, finde ich also durchaus in Ordnung. Was mir an unserer Volksschule fehlt? Innovation. Hier könnte die Dienststelle den Schulen mehr Freiräume geben und die Schulen selber könnten ihre bereits bestehenden Möglichkeiten besser ausschöpfen

 

Das langfristige Ziel der Volksschule bzw. der Bildung insgesamt ist für mich übrigens klar: Inklusive, gleichberechtigte und hochwertige Bildung gewährleisten und Möglichkeiten lebenslangen Lernens für alle fördern. Und das ist nicht meine Erfindung, so steht's in der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung der UNO.  

Was kann und muss die Politik für eine starke Volksschule tun?

  • Als erstes: Rahmenbedingungen schaffen, die den Beruf der Lehrerin, des Lehrers attraktiv machen und diesen den Rücken stärken. Das ist für mich das wichtigste. Denn integrativer und individueller Unterricht ist sehr anspruchsvoll. Es braucht viel Vorbereitung, sehr gute diagnostische Fähigkeiten und Austausch mit den Eltern, dem Lehrerteam und Fachpersonen. Hierzu gehört für mich auch die Aus- und Weiterbildung. Die PH Wallis muss sich als Hochschule positionieren und seitens Politik gestärkt werden. 
  • Schulleitungen weiter professionalisieren, ihre Ausbildung stärken, ihre Kompetenzen im Bereich der Personalführung ausbauen und ihnen Freiräume zur Schulentwicklung geben. Sie sollen die Schulen nicht nur verwalten sondern die Schul- und Unterrichtsentwicklung vorantreiben können.
  • Die Umsetzung des Lehrplans 21 konsequent fordern. Denn viele der Aspekte, die ich oben angesprochen habe, sind im Lehrplan 21 konkret enthalten. Doch die Grundlagen fehlen noch, z.B. wurde die Beurteilung der Schülerleistung noch nicht an den Lehrplan 21 angepasst und die Weiterbildung der Lehrpersonen erfolgte bisher nur punktuell. 
  • Rahmenbedingungen schaffen, die individualisierenden und integrativen Unterricht ermöglichen. Mit der Möglichkeit zu flexibleren Stundenplänen, Weiterbildungen und Beratung beim Einführen von Teamteaching sowie Entlastungen für die Zusammenarbeit mit Fachpersonen und den erhöhten Vorbereitungsaufwand.
  • Ausreichend Ressourcen für sonderpädagogische Massnahmen zur Verfügung stellen.

Was tut die CSPO für die Bildung?

Wir setzen uns in der Partei aktiv mit dem Thema Bildung auseinander. Wir erarbeiten zur Zeit eine Bildungsposition, die alle Altersstufen, von der frühen Kindheit über die Volksschule, Sekundarstufe II, die Hochschulen bis hin zur Erwachsenenbildung, abdeckt. Hinweise und Inputs sind wie immer willkommen.  


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