50 Jahre Frauenstimmrecht. Lasst uns feiern!

Natürlich, wir könnten auch sagen: Was, erst 50 Jahre ist es her, seit dem die Frauen in der Schweiz wählen und abstimmen dürfen? 1971 war das erst? Wir könnten uns fragen, wieso hat es in der Schweiz so lange gedauert? Ja, wir können auch die kritischen Fragen stellen.

 

Aber lasst uns das Jubiläum v.a. feiern. Lasst uns erinnern und den mutigen Frauen und Männern danken, die sich für das Frauenstimm- und Wahlrecht eingesetzt haben. 

 

Denn 50 Jahre Frauenstimmrecht ist ein grosses Stück Zeitgeschichte, dessen sich viele gar nicht bewusst sind. 

Wir alle haben Grossmütter, Mütter oder Schwestern, Tanten, Bekannte, die wir fragen können. Wie es damals für sie war, als das Frauenstimmrecht eingeführt wurde. Und wir haben Grossväter, Väter, Brüder oder Onkel, Bekannte, die wir fragen können, ob sie ja gestimmt haben oder nein. Die eine oder andere Person, die diese Zeilen liest, kann sich selbst erinnern. Mein halber Freundeskreis wurde rund um 1971 geboren. Ist also so alt wie das Frauenstimmrecht in der Schweiz.

Warum ist es ein wichtiges Jubiläum für die Schweiz?

Isabel Rohner hat eine Liste zusammengestellt, die ich gerne ergänze.

  • Es ist ein Anlass, uns vor Augen zu führen, dass demokratische Rechte nichts Selbstverständliches sind. 
  • Es ist ein Anlass, uns mit unserer Geschichte zu befassen. Denn obwohl das Frauenstimmrecht in der Schweiz erst 50 Jahre als ist, ist die Geschichte erschreckend unbekannt. (So war für mich Abstimmen und Wählen immer eine Selbstverständlichkeit. Ich war mir nicht bewusst, dass noch meine Grossmütter, meine Schwiegermutter und viele Frauen in meinem Umfeld nicht seit jeher wählen durften. Es war mir nicht bekannt, dass dem Stimm- und Wahlrecht ein jahrzehnte-, wenn nicht jahrhundertelanger Kampf von mutigen Frauen und Männern vorausging und es war mir lange nicht bekannt, dass die letzte Einführung eines kantonalen Frauenstimmrechts gerade mal 30 Jahre zurückliegt und 1990 (!) via Bundesgericht erstritten werden musste.)
  • Es ist ein Anlass, um uns bewusst zu werden, dass es schon immer mutige Frauen und Männer brauchte, die sich unbeirrbar und mit viel Durchhaltevermögen für gesellschaftliche Veränderungen einsetzten. Iris und Peter von Roten zum Beispiel. Es waren diese Menschen, die es uns ermöglichten, dass wir Frauen heute gleichberechtigt abstimmen und wählen können. Sie mussten viel über sich ergehen lassen. Und da wir heute zwar rechtliche Gleichstellung zwischen den Geschlechtern haben, aber noch nicht faktische, können uns diese Geschichten Mut machen, dran zu bleiben.

Der Blick zurück

Die Frauenbewegung war immer schon sehr vielseitig: Fordernd und laut waren die einen, ruhig, angepasst und um Integration bemüht waren die anderen. Viele Rechte, die für uns heute selbstverständlich sind, hatten vor, und auch noch nach 1971, einen schweren Stand und es dauerte lange bis zu deren Einführung. Die Geschichte zur Mutterschaftsversicherung zeigt dies eindrücklich: "Schwangere Frauen und Mütter genossen in der Schweiz ab 1877 als erstem Land Europas gesetzlichen Schutz aber keine Entschädigung für das ihnen auferlegte mehrwöchige Arbeitsverbot. In den folgenden Jahrzehnten etablierten sich in den umliegenden Ländern verschiedene Versicherungslösungen. In der Schweiz hingegen waren nahezu 20 Anläufe auf Bundesebene notwendig, bis am 1. Juli 2005 schliesslich die Mutterschaftsversicherung in Kraft treten konnte."

 

Ich wünsche mir zu Jubiläum, dass diese Geschichte Teil des kollektiven Gedächtnisses wird. Denn die Geschehnisse rund um die Einführung des Frauenstimmrechts erklären auch, weshalb es in der Schweiz oft länger dauert, bis sich ein gesellschaftlicher Wandel einstellt. 

 

Und um mit Denise Schmid von zu schliessen: "Der Blick zurück zeigt vor allem eines: wie unheimlich wichtig es war, dass Frauen endlich mitbestimmen durften. Dass sie Themen in Politik und Gesellschaft platzierten, die den Männern zuvor einfach nicht genügend relevant erschienen waren. Den Pionierinnen, die zäh durchhielten, gilt meine Bewunderung und mein Dank. Ohne sie wäre mein heutiges Leben kaum denkbar." Der 7. Februar ist ein Tag zum Feiern. Ein Tag zum Weitermachen. 

Zum Weiterlesen

Die Geschichte des Frauenstimmrechts und wo und wie gefeiert wird, fasst der Verein CH2021 auf einer Plattform und in den sozialen Medien zusammen. 

 

Bücher:

Isabel Rohner & Irène Schäppi (2020). 50 Jahre Frauenstimmrecht. 25 Frauen über Demokratie, Macht und Gleichberechtigung. Zürich: Limmatverlag

Denise Schmid (2020). Jeder Frau ihre Stimme. Zürich: Hier + Jetzt Verlag.

 

Foto: unsplash.com


 

 

Danica Zurbriggen Lehner

3920 Zermatt