Was motiviert Frauen für die Politik?

Wer in diesen Tagen und Wochen im Wallis Kandidatinnen für die Gemeinderatswahlen sucht weiss es: es ist schwierig Frauen zu finden, die sich aufstellen lassen. 

Woran liegt das? Was hindert Frauen? Fehlt es an Interesse? Und wie gewinnen wir Frauen für die Politik?

 

Diesen Fragen gehe ich im Blogbeitrag nach. 

Ich bin in der überparteilichen Arbeitsgruppe für mehr Frauen in der Politik (ÜPAG), bei den CSPO Frauen und als Politikerin im Verfassungsrat aktiv an diesem Thema dran. Ich finde es wichtig, dass die Geschlechter in den Gremien und Ämtern paritätisch vertreten sind. Und diese Message scheint angekommen zu sein. Alle Parteien wollen Frauen für die Politik gewinnen. Doch laut verschiedenen Berichten in den Medien - und aus eigener Erfahrung kann ich das bestätigen - ist dies ein schwieriges Unterfangen. Woran liegt das?

Was hindert Frauen an der Politik?

Die Hochschule Landshut in Bayern geht dieser Frage in einer Studie nach. Die Studienautorinnen kommen zum Ergebnis: "Neben der Vereinbarkeit des politischen Engagements mit einem bezahlten Beruf und der Familienarbeit, die noch immer zu einem großen Teil von Frauen erledigt wird, spielen vor allem auch kulturelle Geschlechterbilder und politische Strukturen eine Rolle: Wen sprechen politische Aktive an, wenn sie Listenplätze und Mandate zu vergeben haben? Wann finden Besprechungen statt? Wie ist der Umgangston in Verhandlungen? Wird man als Frau in den Sitzungen ernst genommen, oder muss man sich ständig neu beweisen?" Diese drei genannten Gründe (Vereinbarkeit, geschlechtliche Rollenbilder und politische Strukturen) werden ergänzt durch einen weiteren Punkt: "Gerade in der Kommunalpolitik auf dem Land spielen räumliche Faktoren eine große Rolle, wenn es um die politische Beteiligung von Frauen geht, da hier die engen sozialen Gefüge in einen anderen Fokus rücken müssen. Wenn man sich in einer kleinen Dorfgemeinschaft persönlich kennt, können auch politische Themen und Diskussionen auf die persönliche Ebene rücken, was das weitere Zusammenleben belasten kann. Dieses Risiko wollen viele Frauen nicht eingehen. Ausserdem unterliegen Frauen in ländlichen Räumen deutlich rigideren Massstäben, was Geschlechterleitbilder anbelangt. Auffällig ist auch, dass sich eher Frauen im Dorf engagieren, die zugezogen sind und sich ohnehin nicht dazugehörig empfinden."

Fehlt es den Frauen an Interesse?

Eine spannende Frage. Diesen Eindruck habe ich auch bereits erhalten. Oder auch die direkte Antwort (nicht nur von Frauen): "Politik interessiert mich einfach nicht". In der oben erwähnten Studie wurde auch dieser Frage nachgegangen. Eine der Autorinnen, Mina Mittertrainer, sagt: "Diese Vorstellung ist leider sehr weit verbreitet und findet sich in Teilen auch in der Selbstwahrnehmung (junger) Frauen wieder. Auch in unseren Gruppendiskussionen sagten einige der befragten jungen Frauen über sich selbst, einfach kein Interesse an Politik zu haben. Im Laufe der Gespräche wurde jedoch deutlich, dass mehr hinter dieser Politikdistanz steckt, als auf den ersten Blick sichtbar wird: Die fehlende Wertschätzung und Kritik von aussen, das ständige Absprechen von politischer Kompetenz durch Andere, sowie die Angst, nicht genug über Politik zu wissen um sich zu beteiligen, wurden immer wieder thematisiert." Während das eigene politische Interesse und Wissen oft heruntergespielt wurden, hatten die Teilnehmerinnen jedoch viel Kenntnis und feste Meinungen. Zudem haben die Autorinnen festgestellt, dass sich Frauen sich auf zivilgesellschaftlicher Ebene fast ebenso stark engagieren wie Männer. Diese Wahrnehmung habe ich übrigens auch: In Vereinen sind Frauen oft sehr aktiv und engagiert. "Das alles lässt darauf schließen, dass junge Frauen der Politik vielleicht nicht –  wie sie selbst behaupten – aufgrund von fehlendem Interesse und Wissen fernbleiben, sondern vor allem wegen einer zu geringen Einschätzung ihrer eigenen Kompetenz und einem zu hohen Anspruch an sich selbst." ergänzt die Autorin. 

Wie gewinnen wir also nun Frauen für die Politik?

Wüsste ich die Antwort, würde ich sie für meine Partei, die CSPO nutzen :-). Nein im Ernst. Es ist ein überparteiliches Thema, weshalb wir uns in der ÜPAG auch überparteilich damit auseinandersetzen. 

Wir hatten denn auch die Idee zum Inserat für Gemeinderätinnen und Gemeindepräsidentinnen, das wir im WB und auf den sozialen Medien geschaltet haben. Wir beschreiben dort die Aufgaben einer Gemeinderätin bzw. Gemeindepräsidentin, was erwartet wird und was das Amt bietet. Eine spannende Tätigkeit, die gut mit der Familie vereinbar ist. So gibt es "politische Mandate, die nur wenig an fixe Präsenzzeiten gebunden sind und zeitlich flexibel erledigt werden können. Frauen mit Kindern, die Teilzeit arbeiten oder beruflich pausieren, könnten Politik oft besser als Männer in den Alltag integrieren." So Martin Graf in einem Interview mit dem Tagesanzeiger. Eine Tätigkeit also, bei der man viel selber gestalten kann. Dies zeigt auch auch das Beispiel von Virginie Gaspoz, Gemeindepräsidentin von Evolène. Vorbilder wie Virginie Gaspoz sind wichtig. Frauen, die den Weg gehen und zeigen, dass es spannend ist. 

Und schliesslich braucht es einen langen Atem. Zwei Monate vor der Listenhinterlegung auf die Suche nach Kandidatinnen zu gehen ist nicht erfolgversprechend. Potenzielle Kandidatinnen und somit zukünftige Politikerinnen müssen gemäss einer Empfehlung des kantonalen Amts für Gleichstellung und Familie zwei Jahre vor der Wahl für ein Mandat gewonnen und geschult werden, um ihren Bekanntheitsgrad bei einem breiten Publikum zu erhöhen. 

 

Na denn, gehen wir es an.