Die Wahlen 2019 aus Frauensicht

Nein, das wird nicht einer dieser feministischen Texte. Es wird ein persönlicher Text zu meinen Erfahrungen während der Kampagne und eine subjektive Einschätzung auf die Wahlen 2019 aus Frauensicht. Mit einem Hinweis, warum sich Frauen weniger für Politik interessieren.  

Hochs und tiefs

 

Ich selber hatte und habe bei dieser Wahlkampagne Hochs und Tiefs. Ich startete verhalten, wusste nicht so recht was da auf mich zukommt. Dann hat es begonnen, Spass zu machen. Richtig Spass. Zum Beispiel bei der Debatte im Staldbach, oder an der grossen Wahlveranstaltung der CSPO. Dann die vielen spannenden Begegnungen, die Feedbacks. 

 

Aber wie sieht es aus der Frauensicht insgesamt aus? Im Wallis kandidieren mit 90 Frauen doppelt so viele als noch 2015. Gewählt wird - in den Nationalrat - voraussichtlich keine von uns. (Ich will es noch nicht verschreien, denn freuen würde es mich "schampar", wenn es doch eine schaffen würde.) 

 

Wir sind - von der CSP und CVP über die SVP, FDP bis hin zur SP - zumindest im Oberwallis alle zur Unterstützung der "Bisherigen" angetreten. Dabei gilt es eigentlich aus der letzten Legislatur zwei Frauen zu ersetzen. Ich hoffe nun sehr, dass es Marianne Maret in den Ständerat schafft. 

 

Nichts desto trotz: wir haben aus Frauensicht längerfristig einiges erreicht: Wir konnten im Wahlkampf unsere Themen einbringen. Wir wurden zu Podiumsgesprächen eingeladen und zu Interviews und somit auf der Politbühne sichtbarer. Diesen Drive nehmen wir mit in die Zukunft.  

Warum es wichtig ist, Frauen zu wählen

Ich finde, Frauen sollten die Politik viel aktiver mitgestalten, weil sie andere Erfahrungen machen und andere Lebenswelten vertreten als die Männer. Vielleicht wird das einmal anders sein. Doch noch ist es so: wir wurden unterschiedlich sozialisiert, also interessieren wir uns für unterschiedliche Themen. Weil das Parlament von Männern dominiert wird, geht es dort jedoch hauptsächlich um "ihre" Themen. Diese Aussage ist total stereotyp, ich weiss. Ich erlaube sie mir trotzdem. Und zur Begründung habe ich diese Woche in der Datenbank des Parlaments Suchbegriffe eingegeben und geschaut, wie häufig diese vorkommen. 

Hier eine Auswahl an Begriffen und der Anzahl Nennungen:

1.) Begriffe, die mich beruflich als Erziehungswissenschaftlerin, und auch in meiner Lebenswelt als Familienfrau interessieren (nicht sortiert):

  • Bildung: 16'003
  • Familie: 5'762
  • Kind: 4'387
  • Kindesschutz: 341
  • Kindeswohl: 349
  • Jugend: 3'081
  • Schule: 4'091
  • Gesellschaft: 9'437
  • Vereinbarkeit von Familie und Beruf: 1'075
  • Hausarbeit: 105
  • Familienarbeit: 186

2.) Und dann Begriffe, mit denen im Moment Politik gemacht wird: 

  • Verkehr: 20'442
  • Energie: 18'308
  • Wirtschaft: 24'760
  • Sicherheit: 21'289
  • Gesundheit: 12'144
  • Landwirtschaft: 7'564
  • Tourismus: 3'261
  • Klima: 2'789
  • Bank: 4'370
  • Armee: 7883

Diese Themen sind alle wichtig, unbestritten. Die oben unter 1.) genannten einfach auch. Aber sie sind viel weniger Teil der Lebenswelten der Politiker. Aus diesem Grund braucht es mehr Politikerinnen, damit eben auch die Themen aus der ersten Liste vermehrt Eingang in die politischen Diskussionen finden. 

 

Als Kontrast noch zwei weitere Fundstücke aus meiner "Recherche":

  • Luftwaffe: 1'165
  • Wolf: 686

Diese Auflistung entstand einfach so, ohne Anspruch auf Vollständigkeit und in vollem Bewusstsein, dass die Begriffe willkürlich gewählt sind. Was mir zu denken gibt: Die Begriffe Luftwaffe und Wolf kommen im Parlamentsbetrieb mehr als drei Mal bzw. doppelt so häufig vor wie die Begriffe Kindesschutz oder Kindeswohl. 

Und noch ein paar Worte zur Wahlbeteiligung

Nach der Auflistung verwundert es mich nicht: Frauen interessieren sich weniger für Politik und gehen auch weniger wählen als Männer. 2015 gingen von den Männern 53% an die Urne, von den Frauen waren es 46%. Damit unser aller Lebenswelten im Parlament stärker berücksichtigt werden, wünsche ich mir, dass sich dies ändert. Wie das geht? Indem mehr Frauen wählen gehen und mehr Frauen gewählt werden.