Die Wahlen 2019 aus Frauensicht

Nein, das wird nicht einer dieser feministischen Texte. Es wird ein persönlicher Text zu meinen Erfahrungen während der Kampagne und eine subjektive Einschätzung auf die Wahlen 2019 aus Frauensicht. Mit einem Hinweis, warum es wichtig ist, dass Frauen Politik mitgestalten.

Mehr Frauen im Parlament

Eins vorweg: Nach den Wahlen 2019 beträgt der Frauenanteil im Nationalrat  41.5 %, im Ständerat 26%. Damit sind wir in der Schweiz einen grossen Schritt weiter.

 

Marianne Maret wurde als erste Frau aus dem Wallis in den Ständerat gewählt. Anders im Nationalrat: hier kandidierten zwar 90 Frauen für den Nationalrat, doppelt so viele als noch 2015. Doch gewählt wurde keine. Das war absehbar. Was mich überraschte? Dass es ausser Franziska Biner und Brigitte Wolf keine Frau auf die ersten Plätze schaffte. Woran liegt das?

 

Wir sind - von der CSP und CVP über die SVP, FDP bis hin zur SP - alle zur Unterstützung der "Bisherigen" angetreten. Und "Bisherige" sind die grössten Hürden für Frauen. Dabei galt es eigentlich aus der letzten Legislatur zwei Frauen zu ersetzen. Doch die Parteien haben in der Vergangenheit bei der Nachwuchsförderungen nicht auf Frauen gesetzt. Also waren viele der kandidierenden Frauen unbekannt und somit chancenlos. 

 

Damit sich dies in vier Jahren nicht wiederholt, gilt es, Frauen vermehrt und bewusst in die politische Arbeit einzubinden. Auf kommunaler, kantonaler und dann auch auf nationaler Ebene. Dafür brauchen die Parteien eine Strategie. Toll wären Kampagnen wie Helvetia-ruft auf kantonaler Ebene. 

Warum es wichtig ist, Frauen zu wählen

Ich finde, Frauen sollten die Politik aktiv mitgestalten, weil sie andere Erfahrungen machen und andere Lebenswelten vertreten als die Männer. Vielleicht wird das einmal anders sein. Doch noch ist es so: wir wurden unterschiedlich sozialisiert, also interessieren wir uns für unterschiedliche Themen. Weil das Parlament von Männern dominiert wird, geht es dort jedoch hauptsächlich um "ihre" Themen. Diese Aussage ist total stereotyp, ich weiss. Ich erlaube sie mir trotzdem. Und zur Begründung habe ich in der Datenbank des Parlaments Suchbegriffe eingegeben und geschaut, wie häufig diese vorkommen. 

Hier eine Auswahl an Begriffen und der Anzahl Nennungen:

1.) Begriffe, die mich beruflich als Erziehungswissenschaftlerin, und auch in meiner Lebenswelt als Familienfrau interessieren (nicht sortiert):

  • Bildung: 16'003
  • Familie: 5'762
  • Kind: 4'387
  • Kindesschutz: 341
  • Kindeswohl: 349
  • Jugend: 3'081
  • Schule: 4'091
  • Gesellschaft: 9'437
  • Vereinbarkeit von Familie und Beruf: 1'075
  • Hausarbeit: 105
  • Familienarbeit: 186

2.) Und dann "klassische" Begriffe in der Politik: 

  • Verkehr: 20'442
  • Energie: 18'308
  • Wirtschaft: 24'760
  • Sicherheit: 21'289
  • Gesundheit: 12'144
  • Landwirtschaft: 7'564
  • Tourismus: 3'261
  • Klima: 2'789
  • Bank: 4'370
  • Armee: 7883

Diese Themen sind alle wichtig, unbestritten. Die oben unter 1.) genannten einfach auch. Aber sie sind viel weniger Teil der Lebenswelten der Politiker. Aus diesem Grund braucht es mehr Politikerinnen, damit eben auch die Themen aus der ersten Liste vermehrt Eingang in die politischen Diskussionen finden. (Mit den 41.5 % gewählten Ftaien bin ich da übrigens zuversichtlich.)

 

Als Kontrast noch zwei weitere Fundstücke aus meiner "Recherche":

  • Luftwaffe: 1'165
  • Wolf: 686

Diese Auflistung entstand einfach so, ohne Anspruch auf Vollständigkeit und in vollem Bewusstsein, dass die Begriffe willkürlich gewählt sind. Was mir zu denken gibt: Die Begriffe Luftwaffe und Wolf kommen im Parlamentsbetrieb mehr als drei Mal bzw. doppelt so häufig vor wie die Begriffe Kindesschutz oder Kindeswohl.