Auf zum Frauenstreik? Auf zum Frauenstreik!

Als ich zum ersten Mal vom Frauenstreik hörte war ich skeptisch. Wollen wir wirklich streiken? Das hat so etwas Kämpferisches, Wütendes. Und wir haben doch schon so viel erreicht. Können wir nicht auch mal zufrieden sein? Stimmt. Wir haben viel erreicht. Aber noch nicht genug.

 

In so vielen Bereichen gibt es noch keine echte Gleichstellung. Darum werde ich mich am Frauenstreik beteiligen. Für welche Themen ich auf die Strasse gehe könnt ihr unten nachlesen.

 

 

 

Für was ich mich einsetze - und zwar nicht nur am 14. Juni:

Es ist eine ganz schön lange Liste zusammengekommen:

  • Vereinbarkeit von Beruf und Familie: Mutterschaft ist für Frauen noch immer ein Karrierehindernis. Ich fordere ein Umdenken in der Arbeitswelt und familienfreundliche Arbeitsstrukturen. 
  • Gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit. Keine Lohndiskriminierung, Anerkennung von Care-Arbeit bei Lohn-Neueinstufungen und: keine Diskriminierung bei AHV und Pensionskasse durch Teilzeitarbeit.
  • Aufwertung und mehr gesellschaftliche Anerkennung von Betreuungs- und Pflegearbeit sowie von sogenannt unbezahlter Arbeit. Unbezahlte Arbeit kann nicht einfach plötzlich bezahlt werden. Das ist mir klar. Solch eine Gesellschaft möchte ich nicht. Aber sie soll gesellschaftlich besser anerkannt werden und Frauen und Männer sollen sich gleichermassen daran beteiligen.
  • Mehr Frauen in Kaderpositionen und in Verwaltungsräten, gleichviele Frauen wie Männer in der Politik, in der Öffentlichkeit und in der medialen Berichterstattung. Frauen und Männer sollen mit ihren vielfältigen Berufs- und Lebensentwürfen präsentiert werden, nicht in Stereotypen. (Hier sind übrigens auch die Frauen selber in der Pflicht. Wir müssen uns selbst mehr in den Vordergrund bringen. Nicht einfach abwarten bis wir gefragt werden.) Denn: Unsere Kinder brauchen Vorbilder. Damit es in 30 Jahren nicht wieder einen Streik braucht.
  • Und natürlich: gegen alle Formen von Gewalt und das Recht auf Selbstbestimmung.

Hintergrundwissen: Der Frauenstreik 1991

Am 14. Juni 1991 demonstrierten rund eine halbe Million Frauen in der Schweiz. Die Forderungen der Frauen betrafen damals die bezahlte Arbeit (Recht auf Arbeit, Lohngleichheit, AHV-Rente) und die soziale Reproduktionsarbeit (Aufteilung von Haushalts- und Bildungsaufgaben, Eröffnung von Kindertagesstätten, Mutterschaftsversicherung). Die Frauen sprachen sich gegen Vergewaltigung und Gewalt aus, für das Recht auf Selbstbestimmung über ihren Körper und gegen männlich geprägte Modelle im Bereich der Wirtschaft, Wissenschaft und Politik.

 

Als Folge des Frauenstreiks hat das Parlament 1996 das Gleichstellungsgesetz eingeführt. Doch viele der Forderungen sind noch immer aktuell. Von einer echten Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen sind wir noch immer weit entfernt. Es bestehen immer noch grosse Lohnungleichheiten, Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist noch immer in grosses Thema und die Geschlechterrollen scheinen noch immer in Stein gemeisselt. Doch, wie sagt man so schön? Steter Tropfen höhlt den Stein.

Also: auf zum Frauenstreik!

Wir sind nicht so weit gekommen, um nur so weit zu kommen. Wenn wir uns zusammentun und auf die Strasse gehen zeigen wir, dass es uns noch nicht reicht. Dass wir echte, wirkliche Gleichstellung wollen. Ich werde dabei sein. Du?


Wer mehr lesen mag, findet hier ein interessantes Interview mit der Historikerin Brigitte Studer.

Den Satz "Wir sind nicht so weit gekommen, um nur so weit zu kommen" habe ich von tadah, einem Online-Magazin.