Für eine chancengerechte und hochwertige Bildung

Unsere Schulen befinden sich im Umbruch. Integrativer und individueller Unterricht soll es allen Kindern ermöglichen, gemeinsam zu lernen, wobei jedem einzelnen Kind Rechnung getragen werden soll. Dies ist ein sehr hoher Anspruch. Wie kann dieser eingelöst werden?

Im Wallis sind die konzeptionellen Grundlagen dafür vorhanden. Einerseits mit dem Lehrplan 21 (oder dem PER im Unterwallis), andererseits mit dem Sonderpädagogik-Konzept. Beide Konzepte müssen nun konsequent umgesetzt werden. Dann ist die Volksschule auf dem für mich richtigen Weg.

Ich will dies anhand dem Sonderpägagogik-Konzept ausführen. Denn mit diesem Konzept hat der Kanton ein fortschrittliches System zur Unterstützung von Kindern und Jugendlichen von der Geburt bis zum 20. Altersjahr erarbeitet. Das Konzept beinhaltet heilpädagogische Früherziehung, Logopädie, Psychomotorik, psychologische Beratung und Unterstützung, sozialpädagogische Familienbegleitung, integrierten sowie verstärkten Stützunterricht und Sonderschulen für Kinder, deren Bedürfnisse die Regelschule trotz Sonderschulmassnahmen nicht abdecken kann. Dank der einheitlichen Anlaufstelle können die verschiedenen Massnahmen gut koordiniert werden. Das Konzept ist gut durchdacht. Doch es fehlen die Mittel zur bedarfsgerechten Umsetzung. Laut dem Familienbericht 2019 sind die für die Betreuung von Kindern mit Unterstützungsbedarf vorgesehenen Ressourcen im Vergleich zu anderen Kantonen knapp bemessen. Gemäss den von der Kantonalen Dienststelle für die Jugend erfassten Daten positioniert sich das Wallis im Kantonsvergleich im unteren Bereich.

Dies führt dazu, dass Schülerinnen und Schüler mit besonderem Bildungsbedarf nicht immer ausreichend gefördert werden, dass Regelklassenlehrpersonen nicht ausreichend durch Heilpädagoginnen und Heilpädagogen beraten und unterstützt werden oder auch, dass der integrative Unterricht nicht auf eine sinnvolle Art und Weise durchgeführt werden kann und Kinder somit rascher in Sonderschulen unterrichtet werden.

Was muss die Politik für eine hochwertige und chancengerechte Politik tun?

  • Als erstes: Rahmenbedingungen schaffen, die den Beruf der Lehrerin, des Lehrers attraktiv machen und diesen den Rücken stärken. Das ist für mich das wichtigste. Denn integrativer und individueller Unterricht ist sehr anspruchsvoll. Es braucht viel Vorbereitung, sehr gute diagnostische Fähigkeiten und Austausch mit den Eltern und Fachpersonen.
  • Schulleitungen weiter professionalisieren, ihre Ausbildung stärken, ihre Kompetenzen im Bereich der Personalführung ausbauen und ihnen Freiräume zur Schulentwicklung geben.
  • Rahmenbedingungen schaffen, die individualisierenden und integrativen Unterricht ermöglichen, d.h. hier nicht nur eine Haltungsänderung der Lehrpersonen fordern sondern diese auch dabei unterstützen. Mit der Möglichkeit zu flexibleren Stundenplänen, Weiterbildungen und Beratungen beim Einführen von Teamteaching und Entlastungen für die Zusammenarbeit mit Fachpersonen sowie den erhöhten Vorbereitungsaufwand.
  • Ausreichend Ressourcen für sonderpädagogische Massnahmen zur Verfügung stellen. 
  • Zeitgemässe Infrastruktur zur Verfügung stellen (Stichwort Digitalisierung)

Wer sich daran stört, dass die Lehrpersonen scheinbar zu wenig auf die einzelnen Kinder eingehen können, weil die Klassen zu gross und die Strukturen zu starr sind, sollte keine Politikerinnen oder Politiker wählen, die den Schulen bei der nächsten Sparübung wieder die Mittel kürzen.