Im Wandel: die Vorstellungen von einer idealen Arbeitswelt

Thomas Rieder kommentiert im Walliser Boten vom 11. Januar 2018 die schwindende Attraktivität der Hausarztmedizin und spricht dabei als einen Grund unter anderen die "Feminisierung" der Medizin an. Hier (m)ein Gedanke zu einem Kommentar von Thomas Rieder im WB:

Thomas Rieder schreibt: "Weil Frauen als Mütter nicht pausenlos zu 100 Prozent im Berufsalltag stehen, hat das rein planerisch seine Nachteile. Die in den letzten Jahren angestrebte und auch erreichte höhere Quote an Studienabgängern wird damit gleich wieder neutralisiert".

 

Aus dieser Aussage schliesse ich, dass Frauen auch heute noch auf dem Arbeitsmarkt (als potenzielle Hausärztinnen oder auch anderswo) nicht ernst genommen werden. Sie könnten ja Mutter werden und dann für einige Zeit nicht (voll) zur Verfügung stehen. Das empfinde ich als diskriminierend. Denn nicht alle Frauen werden Mutter und nicht alle Mütter geben ihre Erwerbstätigkeit (voll) auf. Viele reduzieren, das stimmt. Was aber viel wichtiger ist: nicht nur Frauen wollen Arbeit und Familie oder Arbeit und Freizeit besser vereinbaren können. Das sieht auch Rieder so. Er schreibt z. B. im Hauptartikel auf S. 6, dass "auch Männern eine ausgewogene Work-Life-Balance immer wichtiger wird". Voilà, die Zeiten ändern sich. Die Ansprüche ans Erwerbsleben sind grundsätzlich im Wandel. Nicht nur bei den Frauen. Nicht nur "Feminisierung" macht das Planen schwieriger, sondern die Ansprüche der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer beiderlei Geschlechts. Die jungen Ärztinnen und Ärzte möchten in Gruppenpraxen arbeiten, weil sie dort auch den fachlichen Austausch haben, Frauen und Männern ist eine ausgewogene "Work-Life-Balance" wichtig.

 

Dafür zitiere ich aus einem Bericht des Unispitals Zürich: "Bei jüngeren Ärzten beiderlei Geschlechts besteht ein Trend, keine unbeschränkt hohen Arbeitszeiten mehr in Kauf zu nehmen. Teilzeitarbeit ist weit verbreitet und stösst auch zunehmend bei Männern auf Interesse."

 

Und aus dem gleichen Bericht ein Hinweis, der alle Berufsfelder betrifft, nicht nur die Medizin: "Das Dilemma Kinder–Karriere kann heutzutage besser als früher durch Teilzeitarbeit oder familienexterne Kinderbetreuung gelöst werden. Noch viel zu wenig wahrgenommen wird aber die Tatsache, dass die Phase, in der die Eltern durch die Kinderbetreuung stark absorbiert und beruflich evtl. eingeschränkt leistungsfähig sind, nach einigen Jahren vorbei ist." Das sollte meiner Ansicht nach in die Planung in allen Berufsfeldern mit einbezogen werden.