Am Montag gehts los...

... mit der Arbeit im Verfassungsrat. Gestern erschien im Walliser Boten ein Interview mit Johan Rochel vom "Appel Citoyen". Er spricht über die Chancen des Verfassungsrats und über die Gefahren.

 

Hier ein Auszug mit fünf für mich relevante Aussagen und meine Kommentare dazu:

  • "Am Anfang braucht es viel Zeit für eine offenen Diskussion".
    Ich bin sehr gespannt auf die Anfangsphase und die Ideen die hier eingebracht und debattiert werden. Ich finde es wichtig, in dieser Zeit weitsichtig und zukunftsgerichtet zu denken, kreativ zu sein und auch unkonventionellen Ideen Platz zu geben. Die Ideen werden dann bewertet und schliesslich kommt es zu den Entscheidungen. Ich bin sicher: Die Welt wird nicht neu erfunden. Doch ist es gut, mit Offenheit zu beginnen.
  • "Im Grossen Rat ist der Druck der schnellen Entscheidung immer im Rücken. Das haben wir im Verfassungsrat nicht. Wir haben vier Jahre Zeit, um ein einziges Produkt zu schaffen. Die Dringlichkeit des Alltagsgeschäfts ist im Verfassungsrat nicht vorhanden."
    Das ist eine super Voraussetzung und grosse Chance für unsere Arbeit. Trotzdem müssen wir zielgerichtet vorgehen. Vier Jahre tönen nach einer langen Zeit, doch sie sind plötzlich schnell vorbei. Die grossen Ideen von der Angangszeit müssen irgendwann bewertet werden und es gilt, die Ergebnisse in einem gut lesbaren Verfassungstext zu formulieren. Auch das benötigt Zeit.
  • "Die Bevölkerung sollte möglichst früh in den Prozess integriert werden. Sie sollten kommentieren können, was im Rat diskutiert wird, das ist extrem wichtig."
    Auch ich finde es sehr wichtig, dass wir am Puls der Bevölkerung sind, nicht an den Menschen vorbei arbeiten und nach vier Jahren ein Dokument vorlegen, dass abgehoben ist und nicht zu den Realitäten der Bevölkerung passt. Deshalb meine Bitte: gebt uns Rückmeldungen zu unserer Arbeit, seid unsere "critical friends".
  • "Insbesondere im Bereich der digitalen Demokratie können wir viel ausprobieren, denn wir haben nichts zu verlieren. Nur durch Experimente kann man erfahren, was funktioniert und was nicht."
    Gute Idee. Die digitalen Möglichkeiten sollen ausgeschöpft und ausprobiert werden. Im Verfassungsrat haben wir die Möglichkeit dazu.
  • "Niemand hat ­Erfahrung im Verfassungsrat. Wir müssen vor allem das Wissen aus den anderen Kantonen berücksichtigen. Aber klar, diejenigen, die viel und laut reden, müssen Platz machen für andere Meinungen und Persönlichkeiten. Und diejenigen, die nicht so laut reden, müssen laut werden und sich ihren Platz nehmen." 
    Vom letzten Satz fühle ich mich direkt angesprochen :-).

Das Erarbeiten der neuen Verfassung ist ein Prozess. Auch für mich. Ich sehe die Arbeit im Verfassungsrat für mich als spannendes Lernfeld. Als Einblick in eine Welt, die ich bisher nicht kannte, mich aber sehr fasziniert. Voller Elan gehe ich am Montag an die Arbeit.